Eva Martin von World VisionWorld Vision ist eine christliche Kinderhilfsorganisation, die in 97 Ländern tätig ist. mehr spricht mit dem Journalisten Mirco Keilberth über die Eindrücke ihres ersten Norduganda-Besuches, die positiven Entwicklungen seit 2008 und das zukünftige Rebound-Engagement im Kongo, welches im Juni 2011 gestartet ist.
Was waren ihre Eindrücke von der Lage in Norduganda als Sie das erste Mal dort waren?
Ich war 2007 das erste Mal in Norduganda zu einer Zeit, in der eigentlich keine Kinder mehr entführt wurden aber der Krieg trotzdem noch sehr deutlich zu spüren war. Die Menschen lebten in Flüchtlingslagern, weil sie einfach Angst hatten in ihre Dörfer zurück zu gehen. Zu viele Jahre lebten sie in Furcht vor den Entführungen. Die Felder lagen brach, weil auch dort die Gefahr eines Überfalls drohen konnte, die Unsicherheit lähmte das Land. Teilweise lebten die Menschen schon so lange in den Lagern, dass keiner mehr wusste, wo das eigene Land noch war, bzw. wo die Grenzen lagen. Unsere Begegnungen mit ehemaligen KindersoldatenKindersoldaten sind: »... alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), mehr waren sehr schockierend, ihre Geschichten kaum zu begreifen. Jedes Einzelschicksal geht einem nahe.
Die Lage in den Flüchtlingslagern war ebenfalls sehr bedrückend. Tausende von Menschen und Kindern auf engem Raum, viele kleine Strohhütten, dazwischen Wasserstellen, an denen viele Frauen mit gelben Kanistern warteten. Kein Raum für Privatleben, nur der Schutz der Zäune mit der Hoffnung, wenigstens hier sicher zu sein.
In dem Reception Center von World VisionWorld Vision ist eine christliche Kinderhilfsorganisation, die in 97 Ländern tätig ist. mehr gab es zu dieser Zeit noch einige KindersoldatenKindersoldaten sind: »... alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), mehr, die psychologisch betreut wurden und wieder in die Gesellschaft integriert werden sollten. Dieses Center besuchte Wolfgang NiedeckenWolfgang Niedecken ist Musiker, bildender Künstler und Kölner. mehr im Jahr 2004. Es war die erste Anlaufstelle für KindersoldatenKindersoldaten sind: »... alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), mehr, die entweder fliehen konnten oder vom Militär befreit wurden.
Was hat Sie am meisten erschüttert?
Erschüttert hat mich jedes einzelne Gespräch! Kinder, die mit 14 Jahren verstümmelt vor uns saßen und ihre Geschichte erzählten. Mädchen, die aus Vergewaltigungen Kinder auf dem Schoss sitzen hatten und keine Liebe für dieses Kind empfinden konnten. Kinder, denen man die Ohren, Lippen, Nasen abgeschnitten hatte und die einen mit toten Augen anstarrten. Dieser leere, gebrochene Blick hat mich persönlich besonders erschüttert. Ich konnte mir bis dahin nicht vorstellen, was ein Kind alles erleiden kann.
Wie haben Sie die Lage in Norduganda auf ihrer letzten Reise erlebt, was hat sich geändert?
Im September 2010 besuchte ich Norduganda das fünfte Mal und es hat sich in der Zwischenzeit wirklich viel getan. Die Menschen leben nicht mehr in den Flüchtlingslagern, sondern sind in ihre Dörfer zurück gekehrt. Man sieht wieder Frauen auf den Feldern arbeiten, die ihr Getreide und ihr Gemüse anbauen. Das war ein schönes Zeichen. Auch der Ort Gulu150.000 Einwohner leben in der großen Metropole Nordugandas. mehr ist kaum wieder zu erkennen. Es gibt Geschäfte, neue Hotels - der Ort ist bunter und fröhlicher.
In Pader, dem Ort wo wir das Rebound Projekt gestartet haben, gibt es jetzt eine Tankstelle, eine Bäckerei und kleine Lädchen, das war vor zwei Jahren noch undenkbar.
Sie haben das Rebound Projekt in allen Projektphasen erlebt. Sicher war die Umsetzung unter den kriegsähnlichen Umständen kompliziert. Ist Rebound Norduganda abgeschlossen und haben sich ihre persönlichen Erwartungen erfüllt?
Das Rebound Projekt in Norduganda läuft nach wie vor weiter. Das Projekt ist so angelegt, dass es irgendwann auch ohne unsere Hilfe existieren kann. Wir haben uns an drei staatliche Schulen angeschlossen, die unsere Gebäude weiterhin nutzen können. Im Moment laufen nach wie vor Ausbildungsmodule für die Jugendlichen, psychologische Betreuung und Friedenserziehung.