• Katalog bestellen
  • Newsletter
  • Kontakt
  • FAQ

    INTERVIEW MIT WOLFGANG NIEDECKEN/BAP

    In einem Interview mit dem Autor Mirco Keilberth zieht Wolfgang NiedeckenWolfgang Niedecken ist Musiker, bildender Künstler und Kölner. mehr eine Bilanz seines Engagements und blickt in die Zukunft von Rebound (Oktober 2010)
     

    Herr Niedecken, wie kam es zu dem Projekt Rebound?


    Ich war im August 2004 mit der Organisation „Gemeinsam für Afrika“ als Botschafter zwei Wochen in UgandaDie Republik Uganda liegt auf durchschnittlich 1000 Metern Höhe im zentralafrikanischen Hochland. mehr unterwegs. In dem Bündnis „Gemeinsam für Afrika“ haben sich 30 deutsche Hilfsorganisationen zusammengetan. Ich habe mir möglichst viele Einrichtungen dieser NGO `s (Nicht-Regierungs-Organisationen) angesehen, denn ich wollte ihre Arbeit kennen lernen. Um hier in den Medien auch davon erzählen zu können und mich kompetenter für die Lage vor Ort zu machen.

    Ich bin dann am Ende dieser Reise in den Norden Ugandas gekommen. 2004 war der Bürgerkrieg noch ziemlich intensiv zu Gange. Die Rebellen überfielen Flüchtlingslager und entführten Kinder von den einsameren Siedlungen auf dem Land. Viele Bauern versuchten in ihren Dörfern zu bleiben, obwohl sie da gar nicht mehr sein durften, denn die Menschen wurden gezwungen in Flüchtlingslagern zu leben.

    Die Rebellen haben viele Kinder sogar aus den Flüchtlingslagern herausgeholt und sie gezwungen, KindersoldatenKindersoldaten sind: »... alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), mehr zu werden. Diese Kinder mussten Furchtbares erleben. Ich war an dem ersten Abend schon ziemlich erschüttert. Wir gerieten als erstes in ein Flüchtlingslager, wo ich gesehen habe, unter welchen Bedingungen Menschen plötzlich leben müssen, wenn sie ihre Felder nicht mehr bestellen dürfen. Dann bricht alles auseinander.


    Die Familien zerbrechen, denn den Männern ist ihr Selbstverständnis genommen. Sie sind eigentlich für die Bestellung der Felder zuständig. Sie müssen ihre Familie ernähren können und ihre Familie beschützen. Sie konnten nun weder das eine noch das andere. Ziemlich furchtbare Krankheiten grassierten. Die Lager waren zum Teil mit Minen umgeben, damit die Rebellen nicht rein kommen konnten. Wenn die Kinder Fußball spielten und der Ball ins Minenfeld flog, konnte ihn keiner mehr rausholen. Unvorstellbare Geschichten, die man im zivilisierten Mitteleuropa so hautnah natürlich nicht erlebt, das kannte ich nur aus den Medien.


    Am Abend ging es dann in das Reception Center, eine Einrichtung, in der frei gekommene KindersoldatenKindersoldaten sind: »... alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), mehr aufgenommen wurden. Frei gekommen hieß oft, dass sie bei irgendwelchen Scharmützeln übrig geblieben waren. Die Regierungssoldaten haben auf die Rebellen natürlich geschossen, ob es Kinder waren oder nicht. Wer verdächtig jung war, wurde dann ins Reception Center gebracht, um die Wunden zu verarzten. Später haben sich die Helfer auch mit den seelischen Wunden auseinander gesetzt. Auch das hört sich, wenn ich es so erzähle, relativ cool an. Aber wenn man vor 12, 13 oder 14 –jährigen Jungs mit unfassbaren Wunden steht, die einem erzählen, was sie tun mussten, kann man es kaum ertragen. Das will man eigentlich gar nicht im Detail wissen. Oder die Mädchen, die im Alter von 14 oder 15 mit HIV –infizierten Babys, die sie nicht freiwillig haben, vor mir standen- das bricht einem das Herz.

     

     

    Wolfgang NiedeckenWolfgang Niedecken ist Musiker, bildender Künstler und Kölner. mehr Kinder in Norduganda

    Seite  1 2 3 4